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„In der Wohnung hängen überall Preisschilder“

Sabine und Eva-Maria aus Düsseldorf leben mit Möbeln, die ihnen regelmäßig unter dem Hintern weggekauft und aus ihrem Zuhause herausgetragen werden. Im Interview erzählen sie, wie das so ist und warum sie das machen.

Könnt Ihr euch vorstellen, eure komplette Wohnungseinrichtung alle paar Monate zum Verkauf anzubieten und dafür eine Horde fremder Menschen zu euch einzuladen? Sabine (links im Bild) und Eva-Maria (rechts im Bild mit Hündin Joy) machen das mehrmals im Jahr – und zwar so erfolgreich, dass ihr Zuhause nach zwei Tagen und mehreren hundert Besuchern regelrecht geplündert ist.

„Anfangs waren wir skeptisch, wie sich die Leute verhalten. Aber wir haben nur positive Erfahrungen gemacht“, erzählen die Beiden. Ihre Gäste gehen eher übervorsichtig durch die Zimmer und fragen ganz höflich, ob sie Probesitzen oder Dinge anfassen und ausprobieren dürfen.

„Nur die Küche, das Schlafzimmer und Hündin Joy sind vom Verkauf ausgeschlossen.“

Wie sie es schaffen, innerhalb kürzester Zeit immer wieder neue schöne Möbel einziehen zu lassen? Ganz einfach: Die Beiden sind vom Fach. Eva-Maria ist Schreinerin, ihre Werkstatt 61° Möbeldesign liegt auf der Ackerstraße in Düsseldorf-Flingern. Dort baut sie für ihre Kunden Möbel nach Maß. Am liebsten benutzt sie dafür alte Türen oder Holzdielen. Sabine ist für Dekoration und Wohn-Accessoires zuständig und verkauft diese nur drei Fußminuten von der Werkstatt entfernt im gemeinsamen Laden.

Den nächsten Verkauf in ihrer Wohnung planen Eva-Maria und Sabine für Mai. Damit ihr euch schon jetzt ein Bild davon machen könnt, welche Möbel und Dekogegenstände auf neue Besitzer warten, habe ich das sympathische Paar vergangenen Samstag in Düsseldorf besucht.

 

Wie groß ist Eure Wohnung und wie lange lebt Ihr schon darin?

Sabine: Die Wohnung ist 160 qm groß und wir haben sie seit November 2012. Das war ein echter Glücksfall: Den Eigentümer haben wir auf der Geburtstagsparty von Freunden kennengelernt, einen Tag später haben wir uns wieder mit ihm getroffen und uns die Räume angesehen.

Eva-Maria: Das sah hier aus… Früher war das eine Druckerei und der Vermieter hatte gerade erst mit dem Umbau begonnen, als wir zur Besichtigung kamen. Alles war voller Schutt und Regipsplatten, überall standen Baumaterialien und Farbeimer herum. Wir brauchten ordentlich Fantasie, um uns gemütliche Wohnräume vorzustellen.

Sabine: Und trotzdem wussten wir sofort, dass es das richtige Objekt für uns ist. Aber 160 qm mitten in Düsseldorf haben natürlich auch einen stolzen Preis. Wir sind beide selbstständig und so viel Geld nur fürs Wohnen konnten und wollten wir einfach nicht aufbringen. Also haben wir dem Vermieter angeboten, den Umbau selbst zu machen, wenn er dafür die Miete etwas anpasst. Und wie du siehst, hat es geklappt.

Wie würdet Ihr Eure Wohnung bzw. Euren Wohnstil beschreiben?

Eva-Maria: Wir haben keinen einheitlichen Wohnstil, sondern die Räume bewusst unterschiedlich gestaltet. Die Küche mit dem großen Esstisch geht eher in Richtung Landhaus, unser Wohnzimmer – die ehemalige Produktionshalle der Druckerei – ist im Industrial Design und das Gästezimmer im maritimen Stil eingerichtet.

Sabine: Es ist eine schöne Abwechslung, wenn die Räume nicht alle gleich aussehen. Mein Lieblingsraum ist das Gästezimmer, weil wir das Meer lieben und mich die maritime Einrichtung sofort in Urlaubsstimmung versetzt.

Was gefällt Euch am besten an Eurer Wohnung?

Sabine: Die totale Ruhe. Wir haben hier im Hinterhof Eichelhäher, Enten, Gänse, Meisen… Alles was kreucht und fleucht. Aber du hörst kein Auto, kein Flugzeug, keine Bahn, gar nichts… Und das, obwohl wir mitten in der Stadt sind. Das ist für uns der größte Luxus.

Eva-Maria: Vorher haben wir an einer vierspurigen Straße gewohnt und konnten kaum die Fenster aufmachen. Das wollten wir irgendwann einfach nicht mehr.

Wo verbringt Ihr die meiste Zeit in der Wohnung?

Sabine: Wir sind entweder in der Küche, weil wir gerne für Gäste kochen, oder im Wohnzimmer.

Eva-Maria: Ja genau, Abends sitzen wir gerne kuschelig am Kamin.

Wie wird für Euch aus einer Wohnung ein Zuhause?

Sabine: Wir haben uns hier sehr schnell Zuhause gefühlt, weil wir die alte Druckerei ja selbst in eine Wohnung umgebaut und viel von unseren Persönlichkeiten mit eingebracht haben. Ich glaube das ist auch das Geheimnis: Sich mit den Räumen bewusst auseinander zu setzen und sie zu gestalten.

Was alles habt Ihr selbst gemacht oder selbst gestaltet?

Sabine: Wir haben eigentlich alles gemacht – vom Ausbau der Badezimmer bis hin zum Fußboden…

Eva-Maria: Im Wohnzimmer, das allein schon 85 qm groß ist, haben wir einen kleinen Raum als Gästezimmer abgetrennt, danach Schritt für Schritt den Rest unseres Wohnkonzepts gestaltet.

Was würdet Ihr gerne ändern bzw. was fehlt noch?

Eva-Maria: Hier verändert sich ständig etwas, schon deshalb, weil wir nach unseren Verkaufs-Events ja immer neue Möbel und Deko auftreiben müssen. Wir haben auch ständig neue Ideen, die wir umsetzen wollen. Ich überlege gerade, für den Sommer ein Lounge-Sofa für den Innenhof zu bauen…

Sabine: Wir lieben die Veränderung und sind nie fertig mit dem Einrichten und Umgestalten der Räume. Uns ist es wichtig, den Kunden bei den Verkäufen in unserer Wohnung auch jedes Mal etwas Neues anbieten zu können. Ich brauche die wohnliche Abwechslung auch für mich selbst, wahrscheinlich bin ich deshalb in meinem Leben schon 18 Mal umgezogen…

Was steht oder liegt auf Eurem Nachttisch?

Sabine: Ein Wecker und eine Zeitung aus Ibiza.

Eva-Maria: Bei mir nur eine Lampe und meine Armbanduhr.

„Manchmal liegt auf dem Nachttisch von Eva-Maria auch ein Ball von dem Hund.“

Habt Ihr einen Deko-Tipp?

Eva-Maria: Ich dekoriere gerne Schreinerwerkzeug von früher in der Wohnung. Ich finde, dass Stücke aus der alten Arbeitswelt einen schönen Kontrast zu all der modernen Technik bilden und Spannung in die Wohnung bringen. Eine Büroangestellte könnte zum Beispiel einen nostalgischen Locher oder eine alte Schreibmaschine im Regal dekorieren. Vor ein paar Tagen habe ich die alte Mini-Hobelbank für Kinder gefunden, die jetzt bei uns auf der Küchenarbeitsplatte steht. So etwas gibt es nur sehr sehr selten. Und genau solche Dinge machen die Wohnung einzigartig.

Sabine: Ich glaube aber, das ist auch eine Altersfrage. Jüngere Menschen bevorzugen vielleicht eher Blumen und schöne Windlichter…

Woher kommen Inspirationen, neue Möbel, Einrichtungsideen?

Sabine: Diese Frage beantworte ich jetzt mal für dich, Eva-Maria, weil du das nie so siehst. Also: Eva-Maria kommt aus einer sehr kreativen Familie. Der Vater war Schmied und hat neben Pferdebeschlag und anderen Schmiedearbeiten in seiner Freizeit Kunstgegenstände hergestellt. Das Kreative hat Eva-Maria von ihm. Sie arbeitet jetzt schon über dreißig Jahre als Schreinerin, stellt tolle Möbel her und hat unzählige Kontakte, über die sie schöne und oft seltene Einrichtungsstücke findet.

Eva-Maria: Das hört sich vielleicht etwas seltsam an, aber oft ist es so, dass ich nicht die Sachen finde, sondern die Sachen mich finden. Ich muss nur an bestimmte Objekte denken, die ich gerade suche – entweder für uns selbst, unseren Laden oder einen Kunden – und dann ruft plötzlich jemand an, den ich sechs Jahre nicht gesprochen habe und der mir sagt: Komm mal zu mir auf den Bauernhof Eva-Maria, ich glaub ich hab da was für dich… Und dann fahre ich da hin und da steht genau das, was ich haben will.

Sabine: Ja, so ist das.

„Momentan haben wir viel
Vintage-Deko und Möbel im
Industrie-Design.“

Eva-Maria

Vielen Dank Eva-Maria und Sabine für das Interview und den schönen Vormittag, den ich mit Euch verbringen durfte.

Ich würde sagen: Wir treffen uns im Mai in Düsseldorf, oder? Ich bin beim nächsten Verkaufs-Event auf jeden Fall dabei, denn es gibt etliche Dinge, die ich nach dem Shooting am liebsten direkt rausgetragen hätte. Habt ihr auch etwas für euch entdeckt?

Comments.

  • Was??? Sowas tolles gibt’s hier in der Stadt und ich wusste nichts davon??? Auf jeden Fall bin ich im Mai dabei und freue mich schon darauf, dich zu treffen. Den Laden kenne ich schon seit langem und habe sogar schon das ein oder andere Teil dort gekauft.
    Liebe Grüße,
    Steffi

  • Dramaqueenatwork

    Tolle Idee , schöne Bilder und interessanter Bericht!
    Liebe Grüße Barbara

  • Oh, der Hund … oh … ich kann gerade über den Rest nichts schreiben, weil der Hund so … so … … … *verliebt*
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    Wunderbare Sachen, die es in der Wohnung der beiden gibt. Toll !!!

    • Oliver Philipp

      Ja, der Hund ist wirklich toll. Ich finde das alte Radio auch ganz besonders schön.

  • Ich finde das Sideboard…( das mit dem Fahrrad drauf ) super klasse….würde ich sofort raustragen….;-) LG Lotta.

  • Wow! Tolle Bilder und tolle Möbel. Uns hat sofort die Paletten-TV-Bank gefallen. Super Idee mit den Schubladen. Wir werden uns die Möbel live anschauen. Danke für den Einblick!!!

  • In das Wohnzimmer hab ich mich verliebt!

  • Tolle Fotos, so richtig zum Reinspringen.

  • Was für eine wahnsinns Idee! Wirklich toll, kann ich mir aber gar nicht vorstellen:)

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